Ehrfahrungsberichte

Umgeben von starken, wissenden Frauen


Kurz nach ein Uhr nachts wachte ich mit der ersten Wehe auf. Nun wusste ich sofort, was eine Wehe ist, und dass alles, was davor an Ziehen und Drücken aufgetaucht war, nur Sperenzchen gewesen waren. Die Wehen steigerten sich mit der Zeit von halbstündlich auf alle 5 Minuten gegen 7 Uhr. Um kurz vor 9 Uhr waren wir in der Praxis. Der Muttermund war kaum geöffnet. Also fuhren wir wieder heim. Am frühen Nachmittag legte ich mich noch bei einer Freundin in die Badewanne, aber schon auf dem Rückweg (200m) mußte ich öfters wegen Wehen anhalten. Gegen 17 Uhr fuhren wir dann wieder in die Praxis. Nun folgten viele Stunden der Wehen, wobei sich der Muttermund im kaum merklichen Schneckentempo in mühsamer Millimeterarbeit öffnete. Ich wechselte vom Bett im Geburtszimmer zur Badewanne mehrmals hin und her und war sehr froh, daß ich diese Auswahl hatte. Nach 24 Stunden Wehen erhöhten sich die Herztöne des Babys bedenklich, denn auch ich wurde psychisch angespannter und nervöser. Nach der Gabe von Rescuetropfen und meiner eigenen Hingabe an die Tatsache, das der 'point of no return' gekommen war (ja, ich gebare jetzt ein Kind!), beruhigten sich Mama und Kind wieder. Dann ging es wieder in die Badewanne. Gegen 3 Uhr fingen die Presswehen an, und das war ein erleichternder Meilenstein.

lch war nach (bis dahin fast) 26 Stunden Wehen und ca einer Stunde Schlaf doch recht ausgelaugt und froh, dass jetzt ein Ende des Marathons abzusehen war. Während der letzten Stunden war die Hebamme Karin ständig an meiner Seite und begleitete mich durch jede Wehe, was sehr sehr hilfreich war. Es ist eine Herausforderung, sich dem Wehenschmerz zu stellen und Karin half mir mit ihrer ruhigen Art und den fast schon wie Mantras gesprochenen Anleitungen, tief in den Schmerz zu atmen und damit wirklich hineinzugehen, statt zu verkrampfen immens. Interessanterweise wird so eine Wehe nämlich wahrlich erträglicher, wenn man nicht gegen den Schmerz kämpft sondern sich 'einfach' hingibt. Am Schluß ging alles recht flott. Susanne wurde dazugerufen (das gute Zeichen, das die tatsächliche Geburt nun wirklich bevorsteht) und war wenig später als angenehme Präsenz zugegen Die Fruchtblase war scheinbar bis zum Austreten des Köpfchens intakt, und dann brauchte es nicht einmal mehr eine Wehe, und das ganze Kind 'flutschte' heraus. Überwältigt, soeben einen Menschen geboren zu haben, lag ich in der Badewanne mit meinem Kind auf dem Arm, welches mir Karin aus dem Wasser sofort auf den Bauch gelegt hatte. Nach dem ersten Schrei begann mein Kind schon, nach der Brust zu suchen. Ein paar Minuten vergingen, bis ich darauf kam, das ich ja immer noch nicht wußte, ob ich einen Jungen oder ein Mädchen ausgetragen hatte, was mir bis dahin in diesem wundervollen Moment absolut egal gewesen war. Ich war nur leicht verletzt (sicherlich mitunter durch das mehrmalige und stundenlange 'Einweichen' in der Badewanne und das Gebären in der tiefen Hocke), so daß wir ohne Nähen auskamen, trotz der relativen Größe des Kindes: 55cm, 4080g! Mit dem Durchtrennen der Nabelschnur wurde gewartet, bis die Plazenta noch alles ans Baby schicken konnte, was sie zu geben hatte und sich abgelöst hatte. Nach ca 2,5 Stunden fuhren wir heim. Meine Tochter kann ich mir seitdem nicht mehr aus meinem Leben wegdenken und freue mich jeden Tag über sie...

Für wen es geeignet scheint, empfehle ich allerwärmstens das Gebären in der Hebammenpraxis. Die Atmosphäre ist privat, ruhig und angenehm, man ist umgeben von starken, wissenden, aufmerksamen, freundlichen Frauen und es ist wundervoll, alles so bewußt, selbstbestimmt und ohne Ablenkung mitzuerleben. Nochmals herzlichen Dank an Karin und Susanne! (Name ist der Redaktion bekannt)

 


Eine Hausgeburt ist ein tolles Erlebnis für Geschwisterkinder


Ich muss euch ein wunderschönes Erlebnis er zählen. Meine Mutter war schwanger (bis zum 8.November)! Freitag Abend saßen mein Vater, meine Mutter, mein sechsjähriger kleiner Bru der und ich beim Abendessen. Es war ca. kurz nach sieben, als meine Mutter sagte: "Jetzt komm doch endlich Baby! Heute ist Vollmond." Um 19.30 Uhr spürte meine Mutter eine Wehe und im nächsten Augenblick platzte die Fruchtblase. Zuerst haben wir einen tüchtigen Schreck bekommen, aber dann kapierten wir sofort, was passiert war. Während Mama sich auf die Couch legte, wischte ich das Fruchtwasser vom Küchenboden. Es war eine Menge. Ich rannte zum Telefon und wählte die Nummer der Hebamme. Ich vertippte mich zweimal, so aufgeregt war ich. Joel (mein Bruder) und ich freuten uns total. Die Hebamme war in einer Viertelstunde da. Weil meine Mutter eine Hausgeburt machte, konnte ich dabei sein. Mein Bruder wollte nicht dabei sein, weil er Angst vor der schreienden Mama hatte. Verstehe ich! Wir saßen lange da. Ich hielt manchmal Mamas Hand. Die war ganz zittrig. Irgendwann wurde ich so müde, dass ich zu Joel ins Bett schlüpfte. Ich wälzte mich unruhig hin und her, bis ich end lich einschlief! Mitten in der Nacht wurde ich plötzlich durch Schreie geweckt. Ich schreckte hoch. Die Schreie waren nicht sehr laut aber trotzdem gut hörbar. Ich schlich zur Wohnzimmertür. Sie war geschlossen. Jetzt erkannte ich die Schreie meiner Mutter und die nette Stimme der Hebamme. Sollte ich reingehen, oder vielleicht doch lieber draußen bleiben? Ich schaute auf die Uhr. 00.45 Uhr. Ich ging ins Wohnzimmer. Meine Mutter kniete neben der Couch auf dem Boden und mein Vater neben ihr und lächelte. Ich durfte mich neben die Hebamme setzen. Es war sehr spannend. Die Wehen kommen immer in gleichen Abständen. Jetzt fing Mama wieder an zu schreien. Ich musste mir die Ohren zuhalten. Denn wenn man daneben saß, war alles einiges lauter, als wenn man zwei Zimmer weiter und mit geschlossener Tür schläft. Manchmal, wenn die Wehen gerade nachließen, drehte sich Mama zu mir um und lächelte. Da wusste ich, dass ich mir gar keine Sorgen machen musste. Um 1.05 Uhr hielt meine Mutter meine kleine Schwester zum erstenmal im Arm. Ich küsste meine Schwester und dann meine Mutter zur Belohnung. Mein kleiner Bruder, der jetzt nur noch mein mittlerer Bruder ist, hat die ganze Zeit tief und fest geschlafen. Schade. Denn es war toll!!!  Ich rate euch Müttern: Wenn ihr schwanger seid, dann macht eine Hausgeburt und lasst die Geschwisterkinder dabei.

Das schrieb Lena (11 Jahre)


Jede Frau soll ihre persönliche Position finden


Welche Haltung wird die Mutter im Moment der Geburt einnehmen? Wie findet das Kind am leichtesten seinen Weg durch das mütterliche Becken? Trotz oder vielleicht gerade wegen unserer langjährigen Erfahrung stellen meine Kolleginnen und ich immer wie der fest, dass sich jede Frau in ihrem individuellen Rahmen ganz unterschiedlich bewegt. Eine angemessene Körperhaltung erleichtert jede körperliche Arbeit. Ein Kind zu gebären ist für eine Frau eine besondere, manchmal auch schwere Arbeit. Also sollte sie eine Gebärstellung einnehmen, von der sie spürt, dass sie die Geburt unterstützt. Manchmal ist es auch notwendig, dass die Hebamme eine Position vorschlägt, die den Weg für das Kind weitet. Während der Eröffnungsphase, der Zeit, in der die Wehen beginnen, kann die Gebärende die verschiedenen Positionen ausprobieren. Sie stellt dabei fest: Was tut mir unter den Wehen gut? Möchte ich aufrecht sitzen, laufen, stehen, im Vierfüßlerstand kauern, auf dem Ball sitzen, die Schwerelosigkeit und Wärme im Wasser genießen, mich an meinen Partner lehnen? Wie kann ich mich in meiner Position während der Wehenpause am besten entspannen? Möchte ich mich hinlegen, massiert werden, für mich allein sein? Der Wechsel zwischen den verschiedenen Positionen hält das mütterliche Becken in fortdauernder Bewegung und trägt so entscheidend zur Erleichterung des Geburtsverlaufes bei. Seit Jahrtausenden wissen Hebammen, dass eine Geburt in der aufrechten Position mit Hilfe der Schwerkraft natürlicher und komplikationsfreier verläuft. Trotzdem hat sich die horizontale Geburt im Bett in den vergangenen zweihundert Jahren durchgesetzt: „die klassische" halbliegende Rückenlage im Kreißbett. Die Frauen liegen auf diese Weise in günstiger Arbeitshöhe für die Ärzte. Wehentätigkeit und Herztöne können kontinuierlich abgeleitet werden. Heute wollen sich viele Frauen aber nicht mehr „entbinden" lassen, sondern ihr Kind aus eigener Kraft gebären. „Aus eigener Kraft gebären" setzt voraus, dass die Frau die Möglichkeit erhält, die für sie richtige Körperhaltung zu finden, um ihre Geburtskraft zielgerichtet einzusetzen.

(Name ist der Redaktion bekannt)    


Ich wünsche jeder Frau diese Erfahrung


Als Hebamme hatte ich bereits viele Geburten begleitet und den schwangeren Frauen in der Geburtsvorbereitung immer erzählt, dass dieses Ereignis unvorstellbar heftig aber auch unvorstellbar schön werden würde. Bei den Hausgeburten meiner beiden Kinder durfte ich dann selbst erleben, was ich mir vorher nicht wirklich vorstellen konnte: Diese Kraft und diese Macht des eigenen Körpers, Hilflosigkeit, absolute Schwäche, Demut, Angst, totale Hingabe, ....... - um dann das größte Glück als Mutter zu empfinden, erschöpft und doch so voller Leben!! Und es erfüllt mich immer noch und immer wieder mit Wärme und Kraft, Glück und Freude, mich daran zu erinnern. Wie sehr würde ich mir wünschen, dass jede Frau irgendwann in ihrem Leben einmal diese Erfahrung machen darf.
(Name ist der Redaktion bekannt)


Steh ich es durch, meine Frau leiden zu sehen?


Vor der Geburt fragte ich mich, "Steh ich das durch, meine Frau leiden zu sehen ohne gleichzeitig zu wissen, wie es ausgeht, und ohne wirklich helfen zu können Aber dann kam es bei beiden Kindern anders: Die Geburt unseres ersten Kinds war Besinnen auf die Ruhe, die in dieser Nacht herrschte. Vielleicht vergleichbar mit einer Meditation. Die zweite Geburt ähnelte einer Party im engsten Freundeskreis, die kürzer war, als erwartet. Meine Ängste waren also unbegründet. Die empfundene Freude werde ich mein ganzes Leben bewahren.

(Name ist der Redaktion bekannt)